Kir mit Weinset – eigene Kir-Basis Schritt für Schritt
Kir ist ein klassischer französischer Aperitif: trockener Weißwein trifft auf Schwarze Johannisbeere als Cassis. Das Ergebnis soll frisch, beerig und leicht sein – nicht schwer oder pappsüß. Mit einem Weinset kannst du deine eigene Kir-Basis herstellen und Süße, Säure und Alkohol besser steuern. So bekommst du eine Basis, die für klassischen Kir, Kir Royal und deine eigenen Varianten funktioniert. Hier findest du eine klare Methode mit Rezept, Mischverhältnis, Schritt-für-Schritt-Anleitung und typischen Fehlern.
Kurz erklärt: Was ist Kir?
Kir ist ein klassischer französischer Aperitif, der traditionell aus trockenem Weißwein und Crème de Cassis (süßer Likör aus Schwarzer Johannisbeere) besteht. Er wird oft als einfacher Aperitif serviert – im Kern ist Kir aber vor allem eine Balance aus trockener Basis, Frucht und kontrollierter Süße.
Das klassische Mischverhältnis liegt meist bei 9 Teilen Wein und 1 Teil Cassis. In der Praxis kannst du je nach Stil anpassen: ein trockenerer Kir liegt eher bei 12:1, eine weichere Variante bei 6–8:1. Ziel ist, dass die Frische des Weins erhalten bleibt, während die Johannisbeere Farbe, Duft und Rundheit liefert.
Wichtig vor dem Start: Hygiene und stabile Gärung
Wenn du eine Kir-Basis mit Weinset herstellst, arbeitest du wie ein Hobby-Winzer: Du vergärst eine Basis, extrahierst Aroma aus Beeren, klärst und stellst den Geschmack ein. Für ein sauberes, fruchtiges Ergebnis sind Hygiene und ein sauberer Ablauf entscheidend.
Mehr wissen: Die Grundlagen der Weinherstellung mit Obst und Beeren (Gärung, Extraktion und Klärung) sind gut etabliert – und passen zur Methode in diesem Guide.
- Reinige und desinfiziere alles, was nach dem Ansetzen mit Most/Wein in Kontakt kommt.
- Halte die Gärtemperatur (meist 18–22°C), damit das Aroma sauber bleibt und Fehlnoten seltener werden.
- Sauerstoff nach dem Start: Vermeide Spritzen und unnötiges Belüften, sobald die Gärung läuft.
- Erst nach der Klärung verkosten: Beerige Weine können anfangs kantig sein – nach Klärung und Ruhe werden sie runder.
Ausrüstung, die du brauchst
Minimum (reicht für das Hauptrezept)
- Gärbehälter/Gäreimer mit Gärröhrchen
- Thermometer
- Kelle oder Rührstab
- Siebbeutel (für Beeren) oder grobes Sieb
- Reinigungsmittel
- Abfüllschlauch/Siphon (zum Umfüllen)
- Flaschen und Kork-/Kapsellösung (je nach Vorliebe)
Praktisch (für mehr Kontrolle)
- Hydrometer
- pH-Meter oder pH-Streifen (optional, aber hilfreich)
- Kühle Lagerung für Cold Crash/Reifung
- Klärmittel (Bentonit/Gelatine/Komplett-Klärung je nach Sortiment)
Geschmacksprofil: So baust du einen guten Kir
Denke an Kir als drei “Regler”, die du einstellst. Ziel ist ein frisches, beeriges Ergebnis, bei dem die Säure des Weins erhalten bleibt.
Schwarze Johannisbeeren eignen sich sehr gut für Wein – dank natürlicher Säure, deutlichem Aroma und kräftiger Farbe.
Trockene Basis
Eine neutrale, trockene Weißweinbasis hält Kir leicht. Zu viel Restsüße in der Basis macht Kir schwer.
Beerigkeit
Schwarze Johannisbeere bringt Farbe, Duft und Charakter. Die Beerenmenge steuert die Intensität.
Süße & Säure
Süße rundet die Strenge der Beere ab. Säure bringt Frische. Stelle nach der Klärung schrittweise ein.
Hauptrezept: Kir-Basis mit Weinset und Schwarzer Johannisbeere
Zutaten (10 L)
- 1 x trockenes, weißes Weinset (Menge nach Anleitung auf 10 L anpassen)
- 3,0–5,0 kg Schwarze Johannisbeeren (300–500 g pro Liter)
- 1 Päckchen Hefe (oft im Weinset enthalten)
- Hefenährsalz (falls nicht im Weinset enthalten)
- Enzyme (Pektinase für Beeren empfohlen)
- (Optional) Zuckersirup zum Nachsüßen nach der Klärung
Schritt für Schritt
Schritt 1: Beeren vorbereiten
- Am besten gefrorene Schwarze Johannisbeeren verwenden (oder frische Beeren mindestens 24 Stunden einfrieren).
- Beeren auftauen und leicht zerdrücken – für bessere Extraktion.
- Beeren in einen desinfizierten Siebbeutel geben, damit du sie später leichter entfernen kannst.
Schritt 2: Weinset ansetzen
- Weinset nach Anleitung auf 10 Liter ansetzen.
- Rühren, bis alles vollständig gelöst ist.
- Temperatur prüfen und 18–22°C anpeilen, bevor du die Hefe zugibst.
Schritt 3: Gärung starten
- Hefe zugeben (und Hefenährsalz, falls nicht enthalten).
- Most in der Startphase 30–60 Sekunden kräftig rühren (nur zu Beginn).
- Deckel und Gärspund aufsetzen. Bei 18–22°C vergären lassen.
Schritt 4: Beeren zum richtigen Zeitpunkt zugeben
Für die beste Balance empfehlen wir, die Beeren erst zuzugeben, wenn die Gärung klar aktiv ist. So bekommst du gute Extraktion, ohne “rohe” Aromen – und das Risiko für Oxidation ist geringer.
- Nach Tag 3–5 (aktive Gärung): Beeren zugeben.
- Vorsichtig umrühren, damit die Beeren vollständig benetzt sind.
- Beeren 5–7 Tage in Kontakt lassen. In den ersten 2–3 Tagen täglich 1x vorsichtig umrühren.
Schritt 5: Beeren entfernen, fertig vergären und klären
- Siebbeutel entfernen oder Beerenmasse abseihen.
- Fertig vergären lassen, bis die Aktivität deutlich nachlässt (oft insgesamt 10–14 Tage).
- Pektinase/Enzyme zugeben, falls noch nicht geschehen (hilft bei Beerenweinen beim Klären).
- Klärmittel nach Anleitung zugeben und 7–10 Tage stehen lassen.
Schritt 6: Nachsüßen (optional) – und Kir im Glas testen
Die Kir-Basis kann komplett trocken sein – viele mögen aber eine leichte Rundheit, damit es “cassis-ähnlicher” wirkt. Nachsüßen erst, wenn der Wein klar und stabil ist.
- Richtwert: 20–60 g Zucker pro Liter (je nach Ziel).
- Mit 10 g/L starten, umrühren, 24 Stunden warten und erneut verkosten.
- Test im Glas: 9 cl trockener Weißwein + 1 cl Kir-Basis. So lange anpassen, bis die Balance stimmt.
Alternative Stile
Trockene Kir-Basis (mehr Wein, weniger “Likör-Gefühl”)
- 250–300 g Schwarze Johannisbeeren pro Liter
- Keine oder minimale Nachsüße
- Kir eher 10–12:1 mischen (Wein : Kir-Basis)
Süßer Cassis-Stil (konzentrierterer Anteil)
- 500–700 g Schwarze Johannisbeeren pro Liter
- Mehr Nachsüße (abschmecken)
- Kir 6–9:1 mischen – je nach Intensität
Schnellvariante (wenn es schnell gehen soll)
- Ein trockenes, weißes Weinset fertig vergären und klären
- Johannisbeer-Konzentrat und Süße nach Geschmack zugeben
- 48–72 Stunden ruhen lassen, bei Bedarf filtrieren
Servieren & Verwendung
Klassischer Kir
- Standard: 9 cl trockener Weißwein + 1 cl Kir-Basis
- Trockener: 12 cl Wein + 1 cl Kir-Basis
- Weicher: 8 cl Wein + 1,5–2 cl Kir-Basis
Kir Royal
- 1–2 cl Kir-Basis ins Glas
- Mit Schaumwein auffüllen
- Gut gekühlt servieren
Servier-Tipp: Wenn du klassische Mischverhältnisse vergleichen willst, ist diese Referenz zu Kir und Kir Royal hilfreich.
Geschmacksvariationen
- Mehr Frische: ein kleiner Spritzer Zitrone
- Mehr Beere: etwas Himbeere oder Heidelbeere beimischen (max. 10–20% der Beerenmenge)
- Mehr “Aperitif”: Kir-Basis trockener halten und die Frische dem Wein überlassen
Tipps vom Winzer
Typische Fehler (und wie du sie vermeidest)
- Basis zu süß: ein trockenes Weinset wählen und erst nach der Klärung nachsüßen.
- Zu viele Beeren zu früh: Beeren bei aktiver Gärung (Tag 3–5) zugeben – das gibt mehr Kontrolle.
- Oxidation: Spritzen und “Belüften” vermeiden, wenn die Gärung läuft.
- Trüb: Beeren brauchen oft Pektinase + Zeit. Klärung nicht hetzen.
So stellst du den Geschmack schnell ein
- Zu streng: etwas Süße + 1–2 Wochen Ruhe helfen stark.
- Zu wenig Beerigkeit: nächstes Mal mehr Beeren oder 7 Tage Beerenkontakt.
- Zu schwer: Kir-Basis trockener halten und Kir 10–12:1 mischen.
Lagerung & Haltbarkeit
- Kühl und dunkel lagern.
- Hält oft 6–12 Monate in guter Qualität.
- Wird nach 4–6 Wochen deutlich runder.
FAQ – Kir mit Weinset
Was ist der Unterschied zwischen klassischem Kir und Kir mit Weinset?
Klassischer Kir wird aus trockenem Weißwein und fertiger Crème de Cassis gemischt. Mit Weinset machst du stattdessen eine eigene Kir-Basis: Du vergärst und extrahierst Johannisbeeren und stellst danach Süße und Säure ein. Das gibt mehr Kontrolle und oft einen “weinigen” Beerencharakter.
Wie viel Kir-Basis gehört ins Glas?
Starte mit 9:1 (Wein : Kir-Basis). Für trockener: 12:1. Für weicher: 8:1 oder 1,5–2 cl Kir-Basis.
Wann gebe ich die Beeren dazu?
Für die beste Balance: bei aktiver Gärung zugeben, oft Tag 3–5. So bekommst du gute Extraktion und weniger Oxidationsrisiko.
Warum ist meine Kir-Basis trüb?
Schwarze Johannisbeeren enthalten Pektin und feine Partikel. Pektinase/Enzyme helfen – und Zeit für die Klärung (7–14 Tage). Kaltstellen kann zusätzlich helfen.
Kann ich die Kir-Basis komplett ohne Nachsüße machen?
Ja. Eine trockene Kir-Basis ist oft perfekt als frischer Aperitif. Dann stellst du das Verhältnis im Glas ein (z. B. 10–12:1).
Wie lange sollte die Kir-Basis ruhen, bevor sie am besten ist?
Nach der Klärung ist sie nutzbar, wird aber oft nach 2–6 Wochen deutlich besser: Strenge rundet sich ab und die Beerigkeit integriert sich.
Nächster Schritt
Wenn du Kir kontrollierter als mit fertigem Likör machen willst, ist ein Weinset ein perfekter Start. Starte mit dem Hauptrezept, teste das Mischverhältnis im Glas und passe Beerenmenge sowie Süße an deinen Stil an. Wenn deine Kir-Basis sitzt, kannst du sie für Kir, Kir Royal und eigene Beerenvarianten nutzen.
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